neun zum glück

dem laib, der aussieht, als hätte er eine ausgiebige akupunkturbehandlung hinter sich, merkt man das reichhaltige innenleben nicht an. die kletzen für unser bio helis holzofen kletzenbrot kommen aus dem mostviertel, wie es sich für ordentliche dörrbirnen gehört. sie dürfen gemeinsam mit anderen trockenfrüchten eine woche lang in obstler (das kann ein birnerner oder auch ein zwetschkerner sein) baden, um dann weich und beschwingt mit roggenbrotteig, haselnüssen und gewürzen vermengt zu werden. zucker geben wir keinen hinein, das wäre eine beleidigung für die süßen trockenfrüchte. eingehüllt in schützenden dinkelbrotteig geht’s in den mit rund 200 grad am morgen schon recht kühlen holzofen. eingestochen wird der laib deshalb, damit er nicht aufreißt oder sich aufpludert, sondern schön und formvollendet auch wieder aus dem ofen herauskommt.

kletzenbrot

am besten schmeckt so ein kletzenbrot nach ein paar tagen oder – wer standhaft bleiben kann – ein paar wochen. der anschnitt hat altem brauchtum zufolge ganz besondere bedeutung: wem man seine zuneigung ausdrücken möchte, der oder dem gibt man das scherzl. das anschneiden selbst war eine kunst und wurde vorwiegend am stefanitag (26. dezember) durchgeführt. früher haben die jungen dirndln gerne auch eine stricknadel oder andere boshaftigkeiten ins kletzenbrot eingebacken, um den burschen das ritual des anschnitts zu erschweren. das machen wir natürlich nicht. liebende soll man ja nicht aufhalten. am stefanitag bekommt übrigens jede und jeder (auch die tiere) ein stück kletzenbrot – wehe, da wird wer übersehen! man muss es ja nicht übertreiben und gleich neun verschiedene kletzenbrote zusammensammeln, wie das früher der brauch war, um sich und das haus vor unheil zu schützen. neun zutaten sollten übrigens drinnen sein, und je nach zählart können wir auch damit dienen: kletzen, zwetschken, feigen, äpfel, sultaninen, haselnüsse, obstler, gewürze, brotteig.

die lieblingsgefährtin vom kletzenbrot ist butter, am besten frische, kühle bio sauerrahmbutter. eine scheibe kletzenbrot, ein dünnes, sauberes stück butter drauf und es braucht keine neun bissen zum glück. es gibt aber noch eine idee zur verwendung des leider nur bis weihnachten erhältlichen kletzenbrotes, die wir ihnen nicht vorenthalten wollen: probieren sie es zu würzigem, gereiftem käse wie z. b. appenzeller, comté, greyerzer, gouda oder nicht zu hartem pecorino. nicht zu junger, heimischer bergkäse führt gemeinsam mit unserem kletzenbrot aus dem holzofen zu einer klassischen win-win-situation. in zeiten der wirtschaftskrise keine selbstverständlichkeit.

ein kommentar zu “neun zum glück”

  1. sisko

    Sofort möchte ich eine Scheibe des Kletzenbrotes mit Butter bestreichen und verzehren! Besonders nach dieser Beschreibung und all den Hintergrundgeschichten.

    Die Disziplin, das Kletzenbrot zwecks “Reifung” ein paar Wochen liegen zu lassen, traue ich niemandem zu . . .

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